Fleisch für die Welt

Fleisch für die Welt

Was soll ich nur essen?

Letztens schlich ich durch den Supermarkt auf der Jagd nach was Essbarem. Wieder einmal war ich so einfallslos…  Wenn ich abends nach der Arbeit noch einkaufen gehen muss, weil zuhause im Kühlschrank nur Marmeladengläser stehen, so kaufe ich fast immer die gleichen Lebensmittel: Dann gibt es Nudeln mit Pesto oder Müsli oder ich angle einen Aluhai aus dem Tiefkühlbecken, den der Backofen ganz alleine zubereitet. Versteht mich nicht falsch, ich ernähre mich „okay“ – nicht ungesund, aber auch nicht zu 100 % gesund. Ich kann natürlich meine Ernährung optimieren, beispielsweise was meinen Fleischkonsum anbetrifft. Esse ich Fleisch von glücklichen Tieren? Rind, Schwein, Geflügel, Fisch – das ist die Auswahl. Welche Alternativen gibt es? Warum essen wir nicht auch Hunde oder Katzen? Lecker Meerschweinchen? Mhhh… Würmer und Heuschrecken?

Ich stand also vor dem Tiefkühler und verlor mich in Gedanken … Ich lege das „Hackfleisch gemischt” (halb Katze, halb Hund) wie selbstverständlich in den Einkaufswagen. Hab vorher ja schon ein Rezept auf chefkoch.de gefunden: Lasagne „kalte Pfote/kalte Tatz“. Dann flitz ich noch schnell rüber zum Snackregal, um eine Tüte geröstete Grillen mitzunehmen. Die sind immer so crunchy und zirpen so lustig im Magen…

Alles Willkür? Wo ist ein Tierethiker, wenn man ihn braucht? Laut Gesetz ist es verboten, „Fleisch von Hunden, Katzen, anderen hundeartigen und katzenartigen Tieren (Caniden und Feliden) sowie von Affen zum Zwecke des menschlichen Verzehrs zu gewinnen oder in den Verkehr zu bringen.” … Noch mal Glück gehabt. 😉 Und nun?

Katze im Kochtopf
Die Katze hat nichts zu befürchten. ©iStockphoto.com/morpheusdog

Im Westen nichts Neues

Wir im Westen essen keine Insekten – zu eklig. Konsumenten in westlichen Ländern verabscheuen allein die Vorstellung, Käfer oder Würmer zu essen. Es kann mitunter daran liegen, dass wir den Verzehr von Insekten (das Fachwort ist Entomophagie) als gefährlich betrachten, doch ist dies unbegründet: Übertragungen von Krankheiten auf den Menschen sind aktuell nicht bekannt. In anderen Ländern, vorwiegend in Teilen Asiens, auf dem Afrikanischen Kontinent und auch in Lateinamerika stehen Insekten auf dem täglichen Speiseplan. Und das zurecht: Was die Nährwerte angeht, ist der Verzehr von Insekten mindestens genauso gut wie der Verzehr von Schwein, Rind oder Fisch. Circa zwei Millarden Menschen ernähren sich heute von Krabbeltieren, also etwas mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung. Das liegt nicht etwa daran, dass diese Menschen keine alternative Nahrungsquellen hätten und Hunger leiden würden, sondern daran, dass Insekten wegen ihres Geschmacks verzehrt werden. Der globale Bedarf an tierischen Proteinquellen wächst mit der Anzahl der Menschen auf unseren Planeten – im Jahre 2030 werden laut Prognosen mehr als neun Milliarden Menschen ernährt werden müssen (und auch Milliarden von Nutztieren und Haustieren). Weiter auf bisherige (intensive) Viehproduktion zu setzen, wodurch es letztendlich zu erheblichen Klimaveränderungen kommt, kann nicht der Weg sein: Nahrungsmittelsicherung und Futtermittelsicherung durch Insektenzucht kann/wird die Alternative sein.

Und was für ein Markt da schlummert, möcht ich mir gar nicht vorstellen…

Insektenzucht als Goldgrube der Zukunft?

Es sind heutzutage Familienbetriebe, die sich der Insektenzucht zum Zwecke der Lebens- und Futtermittelgewinnung verschrieben haben und Nischenmärkte bedienen. Die Frage ist, ob eine Protein-Produktion durch die Zucht von Kerbtieren überhaupt wirtschaftlich bzw. ob diese günstiger als die Produktion herkömmlicher Lebens- und Futtermittel sein kann. Derzeit wäre wohl eine Produktion von Insekten nicht konkurrenzfähig zu konventionellen Fleischherstellung – es fehlen neben weiterer Technisierung (Technologien zur Massenproduktion als wichtigster Baustein für das Wachstum dieser Industrie) rechtliche Rahmenbedingungen, die Produktion und Handel von Insekten als Lebens- und Futtermittel regeln. Doch es zeigt sich mehr und mehr, dass Insektenproduktion in vielen Fällen eine positve Alternative zur herkömmlichen Fleischproduktion sein kann, was Nachhaltigkeit und Kosten anbetrifft. In der Futtermittelproduktion kommen Insekten wie die Larven der gemeinen Stubenfliege oder der gelbe Mehlwurm bereits zum Einsatz.  In China und den USA, aber auch in Spanien werden bereits Insekten zu Futtermitteln verarbeitet. Soja, Getreide, Mais und andere Futtermittelquellen können durch Insekten ergänzt werden.

Ausblick – 1900 essbare Insektenarten

Essgewohnheiten können sich ändern. Es ist noch gar nicht solange her, dass Sushi erfolgreich vermarktet wurde. Mittlerweile ist der Verzehr von rohem Fisch in Form von Sushi populär. Vielleicht finden irgendwann auch im Westen Insenkten den Weg auf unsere Teller. Nur wenn sich die Barriere in den Köpfen der potentiellen Konsumenten relativiert und eine Nachfrage erzeugt werden kann, haben Käfer, Würmer, Heuschrecken und Co. eine Chance, in Supermarktregalen und Restaurants Einzug zu erhalten. Noch haben die nährstoffreichen Krabbler ein Imageproblem…

Guten Appetit!

Und einen guten Appetit hatte auch Chris bei seinem Aufenthalt im Reich der Mitte… ; )

 

 

Wenn ihr euch intensiv über das Thema „Essbare Insekten” informieren wollt, schaut euch die nachfolgende Quelle an – da steht wirklich alles drin!

Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) (englisch)

 

 

 

Beitragsbild: © iStockphoto.com/kwanchaichaiudom

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