Die wichtigsten Gütesiegel im Überblick

Die wichtigsten Gütesiegel im Überblick

Was Gütesiegel eigentlich sind und worauf man achten sollte, erfährst du hier: Was hat es mit diesen Gütesiegeln auf sich?

EU-Bio-Siegel / Deutsches (staatliches) Bio-Siegel

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Eingeführt wurde das Logo im Jahr 2010, es ist seit Juli 2012 verpflichtend. Es gilt für alle Bio-Produkte, die im EU-Raum hergestellt werden. Wichtig ist hier vor allem die sogenannte EU-Öko-Kontrollstellennummer, die ebenfalls auf dem Siegel vermerkt sein muss. Diese sagt aus, dass die zertifizierten Betriebe die Kriterien erfüllen. Dies wird jedes Jahr neu von staatlich zugelassenen Privatkontrollinstanzen überprüft. Die Inhaltsstoffe für die ausgezeichneten Produkte müssen dabei zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Anbau stammen.

Das EU-Bio-Siegel soll die biologische Landwirtschaft über klar definierte Regeln fördern. Ein Lebensmittel darf nur dann „bio“ oder „öko“ genannt werden, wenn es zu mindestens 95 Prozent den folgenden Kriterien entspricht: Die Anbieter verzichten bei ihren Lebensmitteln zum Beispiel auf Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe; die Waren dürfen nicht mehr als fünf Prozent konventionell angebaute Bestandteile enthalten; Tiere dürfen nur mit ökologischem Futter gefüttert werden und der Einsatz von Antibiotika ist beim deutschen Bio-Siegel stark begrenzt. Außerdem sind in den Lebensmitteln nur 49 Zusatzstoffe erlaubt. Alle verpackten Bio-Produkte müssen das EU-Bio-Label tragen. Freiwillig können andere Bio-Logos abgedruckt werden. Die Hersteller von Öko-Produkten müssen sich bei einer zugelassenen Öko-Kontrollstelle anmelden. Sie müssen dabei nachweisen können, dass sie ökologisch wirtschaften und eine Vermischung von Bioware mit konventionellen Rohstoffen vermeiden. Außerdem müssen sie die Rückverfolgbarkeit gewährleisten.

Kritiker bemängeln, dass die Produkte doch nicht immer ganz „bio” sind. Die Samen für EU-Bioprodukte zum Beispiel können sehr wohl auch konventionell sein, wenn es nicht ausreichend Bioqualität am Markt gibt. Nur Gentechnik oder chemische Vorbehandlung sind ausgeschlossen. Auch der Begriff „artgerechte Haltung“ ist alles andere als eindeutig. Das Biosiegel erlaubt etwa die doppelte Zahl der pro Fläche erlaubten Legehennen oder Masthühner als andere Bioverbände wie z. B. Demeter oder Bioland. Die EU-Bio-Siegel-Richtlinien machen zudem keine Angaben zur Entfernung des Schlachthofs: So kann ein Schwein mit EU-Bio-Siegel eine Fahrt durch halb Europa hinter sich haben. Nachhaltigkeit bewertet das EU-Bio-Siegel ebenfalls nicht ausdrücklich. Wie bereits erwähnt, können Bio-Produkte auch aus dem Ausland kommen, obwohl sie eigentlich „regionale” Produkte sind. Auch über Verpackung macht das Zeichen keine Aussage.

Das deutsche Bio-Siegel wurde im Jahre 2010 vom EU-Bio-Siegel abgelöst. Aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades wird es aber parallel weiterverwendet. Die Kriterien für das deutsche Bio-Siegel und das EU-Bio-Siegel sind identisch. Eigentlich ist das Siegel überflüssig und hat heute keine eigenständige Aussage mehr.

Demeter

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Die Philosophie des Verbands Demeter sieht den landwirtschaftlichen Betrieb als in sich geschlossenen Organismus, daher werden bei Anbau und Tierhaltung auch kosmische Rhythmen wie der Einfluss des Mondes berücksichtigt. Grundlage bildet hier die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die älteste Form der ökologischen Landwirtschaft. Zum Einsatz kommen hier außerdem feinstoffliche Präparate, die aus Mist, Mineralien und Heilpflanzen selbst hergestellt werden. Jegliche künstliche Zusatzstoffe, Aromen, Farbstoffe aber auch Nitritpökelsalz sind verboten.

Seit 1924 nimmt der Verband Demeter die Qualitätsführerschaft im Bio-Bereich für sich in Anspruch. Das staatliche Bio-Siegel setzt im Gegensatz zum Demeter-Siegel nur das Mindestmaß für das Öko-Essen. Demeter-Bauern und -Hersteller leisten mit der Biodynamischen Wirtschaftsweise erheblich mehr als die EU-Bio-Verordnung vorschreibt. Das kommt der Qualität der Lebensmittel ebenso zu Gute wie der Umwelt.

Bioland

Der größte ökologische Anbauverband in Deutschland ist Bioland – circa 6000 Erzeugerbetriebe bauen auf dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft: Idealerweise werden so alle eingesetzten Stoffe in einen Kreislauf gebracht und ökologisch und sozial sinnvoll verwendet (ohne Abfälle, ohne Emissionen).  Auch das Bioland-Siegel, was seit Anfang der Achtzigerjahre vergeben wird, geht über die gesetzlich beorderten Kriterien der EG-Öko-Verordnung hinaus. Regionalität wird zudem groß geschrieben: Es werden ausschließlich Betriebe in Deutschland und Südtirol gekennzeichnet.

Naturland

Der Anbauverband Naturland, gegründet 1982, fördert den ökologischen Landbau regional, national und weltweit und gehört zu den relevantesten Zertifizierungsorganisationen für Qualität im Ökolandbau (circa 38000 Erzeugerbetriebe weltweit). Auch die Naturland-Richtlinien sind strenger als die EU-Bio-Verordnung. Ökologische Aquakultur und ökologische Waldnutzung – hierzu entwickelte Naturland in den Neunzigerjahren beispiellose Richtlinien, nach denen in mehr als 20 Ländern Fisch „produziert” und in Deutschland eine Waldfläche von über 50.000 Hektar bewirtschaftet wird. Fair erzeugnte Öko-Produkte erhalten die „Naturland Fair”-Zertifizierung (seit 2010) – dafür müssen mehrere Anforderungen erfüllt werden, u. a. faire Erzeugerpreise und regionaler Rohstoffbezug.

Fairtrade

Was bedeuten diese Güteseigel ?

Das Fairtrade-Siegel ist ein Sozialsiegel und beinhaltet ein stabiles Einkommen für den Hersteller sowie eine feste Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Zudem garantiert es feste Abnahmeverträge und Standards bzw. Unterstützung für nachhaltigen Anbau. Fairtrade ist nicht gleichzusetzen mit Bio. Fairtrade-Produkte garntieren den Bauern feste Abnahmen und Löhne und fördert eine nachhaltige Kombination von Ökonomie, Sozialem und Ökologie. Es wird auch geprüft, dass keine gentechnisch veränderten Organismen eingesetzt werden. Zudem wird bei Fairtrade-Produkten die Herkunft dokumentiert, so kann jeder Rohstoff bis zum Erzeuger zurückverfolgt werden. Eine Ausbeutung wird dadurch erschwert. Seit 1992 gibt es den Verein TransFair in Deutschland, zehn Jahre später hat Fairtrade International (englisch) das gleichnamige internationale Siegel vorgestellt.

Bei TransFair handelt es sich um ein Produktsiegel. Es wird verwendet um Produkte auszuzeichnen, bei denen mindestens 20 Prozent der Zutaten Transfair-zertifiziert sind. Im Juli 2011 wurde der für das Siegel nötige Mindestanteil fair gehandelter Zutaten von 50 auf 20 Prozent gesenkt. Auch alle anderen Zutaten müssen nur fair gehandelt sein, wenn sie erhältlich sind. Die Ursprünge liegen im Kaffeebereich. Da ist die Kennzeichnung einfach, weil das Produkt in der Regel aus nur einer Zutat besteht. Bei einem Schokokeks zum Beispiel wird es da allerdings schon schwieriger. Seit Anfang 2014 gibt es mit den sogenannten Fairtrade Programmen Cocoa (Kakao), Sugar (Zucker) und Cotton (Baumwolle) eine Neuerung: Hersteller verpflichten sich hier zur Festabnahme bestimmter Mengen Fairtrade-Rohstoffe. Sie können diese aber beliebig in ihrer Produktion einsetzen. Eine 20-Prozent-Hürde gibt es dann nicht mehr. Für diese Programme gibt es andere Kennzeichnung anstatt des Transfair-Siegels. Allerdings wird es für den Verbraucher schnell unübersichtlich, da auf den Produkten nicht mehr zu erkennen ist, welche Kriterien auf die Kennzeichnungen zutreffen. Kritikter bemängeln zudem, dass die Händler am Verkauf der Produkte mehr verdienen als die Produzenten. Produkte mit dem Fairtrade-Siegel kosten mehr als vergleichbare „konventionelle” Produkte, allerdings kommen von den im Laden bezahlten Fairtrade-Euros zu wenige beim Hersteller an.

Ihr seht schon, es ist nicht so leicht, auf alles zu achten. Deshalb: Augen auf beim fairen Einkauf! Für alle, die es genau wissen wollen – auf Wikipedia gibt es einen umfangreichen Vergleich der Biosiegel in tabellarischer Form. Es gibt eine Fülle an Gütesiegeln – einen Überblick gibt es auf utopia.de.

 

 

Beitragsbild: © iStockphoto.com/masaltof

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